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Darmgesundheit und Allergien

12. März 2026 | 15:14

Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Michaela Döll


Was versteht man unter Pro- und Präbiotika?


Diese Begriffe sind inzwischen weit verbreitet. Aber was eigentlich genau sind nun Probiotika und Prebiotika?
Nach der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und offiziellen Veröffentlichungen (International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics: ISAPP) handelt es sich bei den Probiotika um lebende Mikroorganismen, die (bei ausreichender Zufuhr) dem Wirt gesundheitlichen Nutzen bringen können.1,2 Zu den bekanntesten – und auch am Besten untersuchten - probiotischen Bakterienstämmen zählen die Laktobazillen und die Bifidobakterien.
Die Präbiotika (auch Prebiotika) sind, gemäß offizieller Definition, unverdauliche Lebensmittelbestandteile (Ballaststoffe, z. B. Inulin, Oligofruktose, Akazienfasern), die den darmansässigen Bakterien (Darmmikrobiota) als Nahrungsquelle dienen und damit deren Wachstum fördern können.1,2


Welche Wirkungen können Pro- und Präbiotika im Darm entfalten?


Pro – und Präbiotika können dabei helfen ein gestörtes bakterielles Gleichgewicht im Darm wieder herzustellen. Die Stoffwechselprodukte „guter“ Bakterien unterstützen das Immunsystem und auch die Darmbarrierenfunktion. Schließlich fördern die präbiotisch wirksamen Ballaststoffe auch die Verdauung.


Allergien und Darmgesundheit


Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind häufig mit Fehlbesiedlungen im Darm assoziiert. Das haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Andererseits gilt die Ausgewogenheit der Darmbakterien (Darmmikrobiota) für die Darmgesundheit und das dort sitzende darmassoziierte Immunsystem als wichtige Voraussetzung. Allergien wiederum gelten als „fehlgeleitete“ Reaktionen unseres Immunsystems. Da der Darm mit seinen vielen Immunzellen – 80% unseres Immunsystems sind im Darm angesiedelt – ganz ausschlaggebend an der richtigen Balance unserer Immunabwehr (mit)beteiligt ist, gilt eine Beteiligung an immunrelevanten gesundheitlichen Störungen (wie z. B. Allergien) als naheliegend.
Im Rahmen einer kürzlich publizierten wissenschaftlichen Untersuchung3 wurden 31 kontrollierte Studien mit insgesamt 2544 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die unter allergischen Symptomen (Fliesschnupfen) litten, ausgewertet. Im Ergebnis konnte durch die Gabe von probiotischen Keimen eine Verbesserung sowohl in den Begleiterscheinungen als auch hinsichtlich diverser Laborparameter (Immunglobulin E) eine Verbesserung beobachtet werden. Auch die Lebensqualität der Betroffenen konnte dadurch verbessert werden. Es liegen weitere Studien vor, die auf eine Beteiligung der Darmmikrobiota an der Entstehung von Allergien bzw. eine Verbesserung durch Probiotika schließen lassen.4,5


Literatur:


1.
Hill C et al. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics consensus statement on the scope and appropriate use of the term probiotic. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2014;11:506-14. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. doi: 10.1038/nrgastro.2014.66.
2.
Swanson K. et al.: The international Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAAP) consensus statement on the definition and scope of
symbiotics. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2020 Aug 21;17(11):687–701. doi: 10.1038/s41575-020-0344-2
3.
Lu C. et al.: Efficacy of different probiotic regimens for allergic rhinitis. A network-meta-analysis. Complement Ther Clin Pract 2025 May:59:101954.
doi: 10.1016/j.ctcp.2025.101954.
4.
Lungaro L. et al. : Clinical Efficacy of Probiotics for Allergic Rhinitis. Results of an Exploratory Randomized Controlled Trial. Nutrients. 2024 Nov 30;16(23):4173. doi: 10.3390/nu16234173.
5.
Lisiecka M.Z. et al.: Novel Therapeutic Approaches for Treating Moderate-to-Severe Atopic Dermatitis in Infants with Polyvalent Allergic Sensitisation. J Mother Child 2026 Feb 12;30(1):33-43. doi 10.34763/jmotherandchild.20263001.